Pompeji. Götter, Mythen, Menschen

Sigmar Salzburg

In Hamburg lief bis zum 11. Januar 2015 im Bucerius Kunst Forum die Ausstellung „Pompeji. Götter, Mythen, Menschen“. Gezeigt wurden vor allem originale Wandfresken, die einst bis zum Ausbruch des Vesuvs die Villen und Wohnhäuser der römischen Kleinstadt schmückten.

Ich konnte die Ausstellung mit den Kieler Freunden der Antike unter der sachkundigen Führung von Peter Petersen besichtigen. Die Fresken sind Ende des 19. Jahrhunderts aus den Wänden herausgesägt worden und daher auch in ihren Farben erhalten geblieben. Die hier gezeigten stammen aus der größten Villa, der sogenannten Casa del Citarista, die L. Popidius Secundus, einem Freigelassenen, gehörte. Er selbst besaß noch kein Bürgerrecht, sondern erwarb es indirekt, indem er seinen sechsjährigen Sohn in den Stadtrat aufnehmen ließ.

Das Bucerius Kunstforum wirbt für die Ausstellung mit dem Bild eines geflügelten jungen Mannes, der von zwei Eroten begleitet wird. Er stellt den Frühlingswind Zephyr dar, der sich hier der schlafenden Chloris oder Flora vom Himmel herab nähert. Eine ebenfalls vollkommene Bronzefigur ist das Standbild des Apoll fast in Lebensgröße, die der Villa ihren Namen gegeben hat. Er hat vermutlich in der linken Hand eine Kithara gehalten, während in der rechten ein massives Plektrum zum Anschlagen der Saiten erkennbar ist. Zum Luxus gehörten auch (nicht erhaltene) Bücher, die sogar im Eßraum oder im Bad bereitgehalten wurden.

Das Lesen war auch Thema der folgenden Sitzung der Antikenfreunde. Hier ging es um entsprechende Texte von Augustinus und Seneca. In „De Tranquillitate Animi“ rügt Seneca, daß manche Neureiche ihre Bücher nur zur Dekoration ihrer Eßzimmer benutzen und mahnt, daß man nur soviel Bücher besitzen solle, wie man auch lesen kann. Die Erwähnung der Bibliothek von Alexandria (9,5) erinnert daran, daß nur ein kleiner Teil der antiken Literatur die Machtergreifung des Christentums überlebt hat.

Noch zur Hamburger Ausstellung: Der Windgott Zephyros ist auf dem pompejanischen Wandbild als stattlicher junger Mann dargestellt, der sich der schlafenden Chloris vom Himmel herab nähert. 1400 Jahre später sind die beiden auf dem Bild „Primavera“ von Botticelli zu finden. Zephyr ist dort ein eher faunenhafter Luftgott, der die Nymphe verfolgt, um sie zu seiner Frau zu machen. Bei Ovid sagt sie dazu, sie sei zur lateinischen Flora geworden. Vielleicht hat Botticelli tatsächlich dieselbe noch einmal daneben als blumenübersäte Frühlingsgöttin abbilden wollen. Die Renaissance hat nun, ohne es zu wissen, in der Darstellung der Frauen eine Leichtigkeit gewonnen, die die Antike übertroffen hat.

Nochmals 150 Jahre weiter ist die Freude über die Rückkehr des lauen Frühlingswinds von Claudio Monteverdi vollendet in Musik gesetzt worden: „Zefiro torna“, nach einem Sonett von Rinuccini: Man hört den Wind und sanfte Wellen, und wie er murmelnd im Laub die Blumen zum Tanzen bringt, die Lieder von Chloris und Phyllis, ihr Echo in den Bergen und den Tiefen der Täler und Grotten. Am Schluß bleibt dem Dichter eine unerfüllte Sehnsucht, die ihn bald leiden, bald singen läßt. Das Stück ist ein Zwiegesang über einem zweitaktigen Ostinato, eine Chaconne. Die Interpreten dieser Aufnahme sind Nuria Rial und der Contratenor Philippe Jaroussky, sowie ein Instrumentalensemble, das auch die Versübergänge ritornellartig ausfüllt.

(Eine näher am Notentext orientierte, weniger ausgeschmückte Interpretation ist diese.)

Leicht bearbeitet zuerst eingetragen in nachrichtenbrett.de November 2014

Schreibkrampf (I)

Sigmar Salzburg

Am 17. September 1999 annullierten einige Dutzend Abgeordnete („Volksvertreter“) des Kieler Landtags nach nur neun Monaten rechtlicher Gültigkeit das Gesetz über die Beibehaltung der traditionellen Rechtschreibung an den Schulen, das durch das Volk, d.h. von 885511 Bürgerinnen und Bürgern Schleswig-Holsteins, am 27. September 1998 beschlossen worden war. Der Artikel 20 des Grundgesetzes „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ wurde damit nach Belieben der Parteien außer Kraft gesetzt und die erste erfolgreiche Abstimmung nach dem schleswig-holsteinischen Plebiszitär-Gesetz zur Farce.

Das Volk war im Kampf um den Fortbestand der Einheit seiner Rechtschreibung entmachtet. Während die meisten großen Kulturnationen seit langem eine einheitliche Orthographie besaßen, konnten in Deutschland nicht eher als 1901, dreißig Jahre nach der Reichsgründung, die Schreibweisen der verschiedenen Länder harmonisiert werden, so daß erst danach die Werke der großen Schriftsteller, Philosophen und Naturwissenschaftler des 20. Jahrhunderts in gleichem Schriftgewande erschienen. Wegbereiter waren Johann Christoph Adelung – vorbildlich schon für Goethe und Schiller – und Konrad Duden. Die damit fortgeschriebene historische Orthographie des Deutschen hatte gegenüber dem Englischen und Französischen den unbestrittenen Vorteil, viel regelmäßiger die Laute wiederzugeben. Die mittelalterliche Kleinschreibung, die von Jacob Grimm befürwortet wurde, der aber nicht einmal sein Bruder Wilhelm folgte, wurde abgewehrt, blieb aber um so mehr das Hauptziel aller obsessiven Schreibheilspropheten. Einige von ihnen wären fast mit den Nazis ans Ziel gelangt. Nachdem Hitler 1941 bereits die Frakturschrift als angebliche „Judenlettern“ verboten hatte, arbeitete der Stab des NS-Erziehungsministers Rust noch im Bombenhagel bis 1944 an Reformen, deren eine der heutigen auffällig ähnlich sah. Der ausbleibende „Endsieg“ verhinderte jedoch die neuerliche Beseitigung der spät errungenen Schreibeinheit.

Nach dem Krieg sammelten die Reformer neue Kräfte und hatten 1973 schon die Mehrheit der Kultusminister für sich eingenommen, als ein einziger von ihnen, der baden-württembergische Kultusminister Wilhelm Hahn, aus dem Komplott ausstieg – nach dem „keiser unt apt nach einem mal von opst unt al das heiverseuchte mer im bot“ hätten überqueren müssen. Nach diesem Rückschlag bildeten unentwegte Reformer einen privaten Arbeitskreis, der weiter antichambrierte, 1985 weitere Heilsrezepte für die angeblich schwerkranke Rechtschreibung anpries und so schließlich den staatlichen Auftrag „holte“. Unter Zwischenschaltung des Instituts für Deutsche Sprache wurde aus ihrer Mitte die „Zwischenstaatliche Kommission“ gebildet. Hemmungen, über die Schüler, „das schwächste Glied“, allgemeine Schreibänderungen herbeizuzwingen, die ihr Leiter Gerhard Augst 1982 noch geäußert hatte, waren vergessen. Gewitzt durch den unerwarteten „keiser“-Sturz ging man nun mit weitgehender Geheimhaltung vor.

Nachdem die Kultusminister den Auftrag erteilt hatten, erwarteten sie auch Ergebnisse. Diese wurden 1993 präsentiert, und – obwohl die Auftraggeber ausdrücklich die Groß- und Kleinschreibung ausgenommen hatten, favorisierte der Hauptvorschlag wieder die „gemäßigte Kleinschreibung“. So fiel die Wahl auf den zweiten Vorschlag, der nun, fast wie ein Racheakt, eine „unmäßige Großschreibung“ vorsah. Dem Rest der unnützen Vorschläge war anzusehen, daß sie eine vorsichtige Reviermarkierung für weitere Reformen waren. Als Katastrophe wirkte, wie sich bald zeigte, die Vorschrift, alle nur denkbaren Wortbildungen sinnverwirrend aufzuspalten. Der fatalste Einfall aber war die Exhumierung des 200 Jahre alten Vorschlags eines Philologen Heyse, das seit 600 Jahren übliche „ß“ am Silben- und Wortschluß nur noch nach langen Vokalen zuzulassen, wodurch zahlreiche „Missstände“ entstanden. Diese obendrein fehlerträchtige Regelung bewirkte in der Folge, daß ganze Bibliotheken, insbesondere Jugendbibliotheken und Lehrmaterial, sofort als „veraltet“ erkannt und aussortiert wurden. Niemand hatte vorher nach dieser Schreibweise verlangt, die nur noch Spezialwissenschaftlern bekannt war. Jetzt wirkte sie als „Herzstück“, als „Geßlerhut“, als „Schibboleth“ (hebr. „Erkennungsmal“) der „Rechtschreibreform“.

Trotz der heraufziehenden Wirtschaftskrise und der allgemeinen Bildungsmisere war die „Rechtschreibreform“ von nun an ein wichtiges Thema der Kultusminister- und Ministerpräsidentenrunden:

Simonis läßt nicht locker
… Die Kieler Regierungschefin übernimmt während der Lübecker Ministerpräsidentenkonferenz vom 25. bis zum 27. Oktober den Vorsitz des Ländergremiums. Während ihrer einjährigen Amtzeit will sie sich für eine Lösung der Konzentration im privaten Rundfunk einsetzen. Als weitere Probleme sieht sie die verschobene Rechtschreibreform und den wachsenden Schuldenberg im Bundeshaushalt.
(Welt 23.10.1995)

Nach einigem Hin und Her der dilettierenden Politiker, wobei der bayrische Kultusminister Zehetmair noch den „Heiligen Vater“ und ein paar alte Fremdwörter „rettete“, beschloß die Kultusministerkonferenz am 30. November 1995 die Einführung der neuen Rechtschreibung zum 1. August 1998. Es erhob sich sogleich ein Proteststurm, besonders der schreibenden Berufe. Die Protestierer mußten sich jedoch vorwerfen lassen, sie kämen „zu spät“. Erste Gerichtsklagen gegen die Schulschreibung wurden dagegen abgewiesen, weil sie „zu früh“ gekommen waren. Sprachwissenschaftler wie die Professoren Veith und Ickler wiesen nach, daß es sich bei der „Reform“ um ein Schwindelpaket handelte, das weder die Schreibregeln vereinfachte noch zu Erleichterungen beim Schreibenlernen führen würde. Dennoch verbreiteten die Politiker, voran die Kultusminister Zehetmair und Wernstedt, die Mär von der fünfzig- bis neunzigprozentigen Fehlerverminderung, wie sie ein Reformer in einem (völlig unwissenschaftlichen) Test festgestellt haben wollte. Jeder Gegner der „Reform“ lief Gefahr, nun als Kinderschänder hingestellt zu werden, wenn er den Schülern diese sagenhaften Erleichterungen vorenthalten wollte. Auch Heide Simonis behauptete, wie andere Kulturpolitker davor und danach, z.B. am 22.10.97 auf NDR 1: „Für die Kinder wird es einfacher.“

Unterdessen hatte die Kultusministerkonferenz beschlossen, die „Reform“ schon vorzeitig einzuführen, offensichtlich, um vollendete Tatsachen zu schaffen. In den führenden Zeitungen waren dafür am gleichen 24.7.97 in der FAZ und der WELT die Worte „dummdreist“ und „Dreistigkeit“ zu finden. Dennoch wurde weiter durchgesetzt, obwohl manchen Politikern der Unfug der ganzen Aktion dämmerte – Heide Simonis, lt.Welt v. 25.10.97: „Die alte Rechtschreibung gibt nicht viel logischen Sinn, die neue gibt auch nicht viel logischen Sinn.“

Meine Kinder kamen mit ersten Arbeitsblättern in „neuer“ ss-Schreibung nach Hause. ‚Die Wörter sehen ja aus wie gerupfte Pfauen’ war mein erster Gedanke. Ein Blick in die allenthalben veröffentlichten Vergleichslisten überzeugte mich: Die Reform ist Unfug – ein Anschlag unfähiger Wichtigtuer auf die Kontinuität unserer schriftlichen Kommunikation. Ich schrieb meinen ersten Leserbrief an die Kieler Nachrichten: „Ohnmächtig muß die ablehnende Mehrheit der Eltern zusehen, wie ihre Kinder von einer selbstherrlichen Ministerialbürokratie in den orthographischen ss-Staat geführt werden. Das Reformsammelsurium enthält Anschläge auf Sprache, Wortsinn, Ästhetik und gute Sitten, …“ – und schloß mich der Bürgerinitiative „WIR gegen die Rechtschreibreform“ an. Die Arbeit bis zum Volksentscheid sollte zwei mühsame Jahre dauern. Proteste beim Bildungsministerium blieben natürlich erfolglos und wurden vage oder wahrheitswidrig beantwortet, z.B. am 18.8.1997: „Das Bildungsministerium ist an die Wiener Absichtserklärung gebunden … Gerburg Böhrs“.

Unterdessen klagten mehrere Eltern von Schulkindern vor Gericht (nur diese konnten gegen die letztlich alle treffende „Reform“ klagen). In Berlin war eine Klage erfolgreich und landete in Sprungrevision beim Bundesverwaltungsgericht. Der dortige Vorsitzende, Prof. Niehus, anerkannter Fachmann in Schulrechtsfragen, hatte bereits ein die „Reform“ endgültig vernichtendes Urteil vorbereitet. Unerwartet kam ihm jedoch das Bundesverfassungsgericht zuvor. Ein Lübecker Ehepaar hatte in Schleswig gegen die Einführung der Reform ohne Gesetz geklagt und war vom Oberverwaltungsgericht abgewiesen worden: „Sprache“ könne man nicht gesetzlich regeln. Sie sei auf Akzeptanz angewiesen. Dagegen ging das Ehepaar mit seinem Anwalt, Prof. Gröschner, vor das politisch besetzte Bundesverfassungsgericht – mit Jutta Limbach (ehemalige SPD-Justizsenatorin in Berlin) als Präsidentin und Hans-Jürgen Papier (CSU, Zehetmairs Parteifreund) als Kammervorsitzendem. Unter fragwürdigen Umständen und in aller Eile bestätigte dieses am 14. Juli 1998 das Schleswiger Urteil. Prof. Niehus soll danach gegenüber Gröschner geäußert haben: „Na, da haben Sie aber nicht sehr überzeugend gewirkt!“ Jedoch mußte die beste Argumentation wirkungslos bleiben, weil die Verfassungsrichter fest entschlossen waren, die „Reform“ durchzuwinken. Zu Ohren gekommen war dies Prof. Ickler schon Wochen vor der Anhörung im Mai. Diese selbst war eine Farce, bei der 50 Befürwortern der Reform wenige Kritiker gegenüberstanden. Zuletzt war der Text des Urteils schon mindestens eine Woche vor der Verkündung bei Politikern im Umlauf. Als die Kläger daraufhin ihre Klage zurückzogen, beschritt das Gericht „juristisches Neuland“, es dennoch zu verkünden.

Obwohl das Urteil nur die Frage entschied, ob die Reform eines parlamentarischen Gesetzes bedürfe, nahmen es die Kultusminister – und leider auch spätere Gerichte – als Freibrief für jegliche orthographische Änderungen. Das folgende Schreibchaos widerlegte jedoch die von Gerichten den Ministerien zugesprochene Kompetenz. Auch erkannte das Verfassungsgericht in der Instrumentalisierung von Schülern zur Durchsetzung einer allgemein abgelehnten Rechtschreibreform weder einen Mißbrauch der Kinder noch eine Verletzung der Rechte der Eltern. Daß die Einheitlichkeit der Rechtschreibung, ein Dogma der Kultusminister, im Urteil für unnötig erachtet wurde, half zunächst den Bürgerinitiativen, zumal die Minister Zehetmair und Holzapfel schon mit der Unzulässigkeit oder gar dem Verbot von Volksentscheiden spekuliert hatten. Letztlich jedoch ermöglichte auch dies den Länderregierungen, die Durchsetzung der Reform unbeeindruckt fortzusetzen und den Volksentscheid in anderen Bundesländern zu negieren.

In Schleswig-Holstein lief unterdessen Sammeln der Unterschriften, die nach anfänglichen Behinderungen auch in Läden und Geschäften auf vorbereiteten Listen eingetragen werden konnten. Es zeichnete sich ein Erfolg der Bürgerbewegung ab. Deshalb verkündete Heide Simonis schon Monate vorher, die Volksabstimmung bei nächster Gelegenheit annullieren zu lassen, wenn nötig sogar wiederholt, bis „die Schleswig-Holsteiner der Lächerlichkeit preisgegeben“ wären. Zugleich begann das Tauziehen um Zeitpunkt und Örtlichkeit der Abstimmung, nach SPD-Wunsch möglichst unbequem für die Wähler, um die Abstimmung doch noch zum Scheitern zu bringen. Die Gemeinden setzten schließlich aus Kostengründen die Zusammenlegung der Volksabstimmung mit der Bundestagswahl am 27.September 1998 durch.

Massiv unterstützt wurde die Regierung vom Verband der Schulbuchverleger. Der machte unter dem Decknamen „Initiative für die Reform, für die Kinder“ eine halbe Million locker, unter anderem für die Anzeigenkampagne „Der beste Grund für die Rechtschreibreform ist sechs und heißt Jan“. Dazu tönten die Warnrufe der Bildungsministerin Böhrk vor einer Ablehnung der Reform: „Die Leid Tragenden sind die Kinder”. Hätten die Zeitungen den Satz schon damals in dieser Reformschreibung gedruckt, dann wäre die Ablehnung nochmals um zehn Prozent höher ausgefallen.

Der Gipfel der Dreistigkeit aber war auf dem Stimmzettel die fast wortgleiche täuscherische Übernahme des Gesetzes der Bürgerinitiative im Regierungstext: „In den Schulen wird die allgemein übliche Rechtschreibung unterrichtet.“ – womit aber die damals völlig unübliche Reformschreibung in ihrer minderwertigsten Version gemeint war.

Nebenher wurden kritische Lehrer eingeschüchtert und zum Schweigen verurteilt. Wer sich nicht daran hielt, wurde disziplinarisch verfolgt – wie ein Lehrer im Norden, der die Schüler aufgefordert hatte, doch einmal die Bürger auf der Straße zu befragen, ob sie den Stimmzettel verstünden. Auch wurde auf den Leiter der Bürgerinitiave, den Verleger Matthias Dräger aus der renommierten Lübecker Unternehmerfamilie, der Verfassungsschutz angesetzt, wie der (bald darauf verstorbene) ehemalige CDU-Landesvorsitzende Otfried Hennig verriet.

Die Abstimmungen am 27. September endeten mit der Abwahl von Kanzler Kohl und dem Sieg der Bürgerinitiative – den CDU und Junge Union im Kieler Landeshaus in Ermangelung eigenen Erfolges wie ihren eigenen Sieg feierten. Eine bleiche Gisela Böhrk und ihre CDU-Kontrahentin Angelika Volquatz gaben vor den Fernsehkameras ihre Stellungnahmen ab, der zugeschaltete Günter Grass stellte fest, daß die Reform gänzlich schiefgelaufen sei. Mein einziger Gedanke war, nachdem ich den Ort verlassen hatte, daß ich mich nie wieder mit dem Humbug „Rechtschreibreform“ befassen müßte.

In den nächsten Wochen trafen sich in Kiel Vertreter der Bürgerinitiave, Matthias Dräger u.a. mit Prof. Ickler im Hause von Prof. Schmitz, um den weiteren Fortgang zu erörtern. Sie mußten jedoch bald darauf feststellen, daß sie nichts mehr zu melden hatten. Die Parteien kungelten alleine unter sich weiter. Gisela Böhrk gar wollte, dürftig getarnt, weitermachen wie bisher. Die Empörung über diese plumpe Mißachtung des Volksentscheids erzwang ihren Rücktritt, so daß Heide Simonis sie durch die geschicktere Taktikerin Ute Erdsiek-Rave ersetzen konnte. Dennoch wurden, wie mir Eltern versicherten, mancherorts weiterhin traditionell geschriebene Texte von eifernden Lehrern als „veraltet“ unterkringelt.

In Niedersachsen war zuvor ein Volksbegehren gescheitert, weil der dortige Wahlleiter Strehlen, neben anderen Schikanen, an die hunderttausend Unterschriften für ungültig erklärt hatte, die im Vordruck in einer Ecke die Buchstaben v.i.S.d.P. trugen. In Bremen wurde nun die Bürgerinitiative ausgebremst, indem die Regierung den Gesetzestext, der in Schleswig-Holstein zulässig war, für unzulässig erklärte. In Berlin schließlich wurden die Eintragungsbedingungen erschwert, eigene Werbespots verboten und eine perfide Gegenpropaganda gefördert, so daß auch dort die Hürden unüberwindlich blieben.

Die Presseverbände, die schon früher beschlossen hatten, sich der „Reform“ anzuschließen, bekräftigten im Dezember 98 dies noch einmal – die Kundenbefragung „Volksentscheid“ mißachtend – und machten sich dadurch ab 1. August 1999 zum Instrument der Politiker zur flächendeckenden Zwangsmissionierung der Bevölkerung. Alles zusammen ermutigte die Kieler Parteien, sich am Volksentscheid zu vergreifen. Doch zugleich wurde in den Medien die Katastrophe erst jetzt richtig offenkundig, besonders wenn die neuen Primitivregeln auch noch mißverstanden wurden. (z.B. „der Bein amputierte Storch“).

Eine der ersten Amtshandlungen der neuen Bundesregierung war – unter Mißachtung des Bundestagsbeschlusses vom März 1998 „Die Sprache gehört dem Volk“
– die Einführung der Reformschreibung in den Bundesbehörden durch Innenminister Otto Schily – der sich nebenher für „Mehr Demokratie“ stark machte.

In Schleswig-Holstein förderte die Regierung die Unterminierung des Volksentscheids. Sie ließ zu, daß die Lehrergewerkschaft GEW im Komplott mit dem Bertelsmannverlag 10000 (fehlerhafte) Neuschreib-Lexika an die Schulen entsorgte. Heimtückisch und ohne Not bereitete Innenminister Wienholtz die Umstellung der Amtssprache vor, die nicht vom Volksentscheid erfaßt war. (Bekanntmachung des Innenministeriums des Landes Schleswig-Holstein vom … Juli 1999 – IV 162 0220 -) So eingemauert hätten die Schüler des Landes mit ihrer traditionellen Rechtschreibung nicht einmal in den Landesämtern etwas werden können. Zugleich schrieb mir die Bildungsministerin scheinheilig am 22.7.1999: „Unsere Kinder haben es nicht verdient, daß Politik auf ihre Kosten gemacht wird … Ute Erdsiek-Rave.“

Diese Finten der SPD-Minister nahm der frischimportierte Ministerpräsidentenkandidat der CDU, Volker Rühe, zusammen mit dem Fraktionsvorsitzenden Martin Kayenburg, zum Vorwand, der Partei die Mitwirkung an der Beseitigung des Volksentscheids zu verordnen. Gleichzeitig wurde der zögernde Parteivorsitzende Peter Würzbach entmachtet.

Am 15.9.99 stand spätnachmittags im Kieler Parlament die „Aussprache“ über die Annullierung des Gesetzes des Volkes auf der Tagesordnung. Sie verzögerte sich, weil die Vertreter erst der Gegenseite ans Schienbein treten wollten – die CDU, weil Heide Simonis ihren Kandidaten einen „Kotzbrocken“ genannt haben sollte, die SPD, weil Rühe eine Frau ohne Kinder (Simonis) nicht kompetent für Schulen und Kindergärten fand und weil F.D.P.-Kubicki die Ministerpräsidentin habe „hängen sehen“ wollen – wie er aber sagte, nur in Öl in der Bildergalerie.

Die Parteivertreter lasen dann in aller Eile, ohne Aussprache und mit dem Gedanken an das Abendessen ihre gekürzten, vor Selbstmitleid triefenden Texte ab, die die Unausweichlichkeit des Beschlusses gegen den Volkswillen begründen sollten. Selbstgefällig hob dabei der Innenminister Wienholtz seine Mitwirkung an dieser Wende hervor. Zwei Tage später kam diese gegen den Geist der Demokratie gerichtete Farce um den Jahrhundertunfug „Rechtschreibreform“ durch einfaches Handaufheben aller Parteienvertreter zu ihrem vorläufigen Abschluß. Die „taz“ titelte: „Euer Wille ist uns sch…egal“.

Bürgerinitiative und Elternverein versuchten sogleich, dagegen zu klagen. Die Gerichte aber lasen, natürlich „im Namen des Volkes“, aus den Gesetzestexten die Gleichrangigkeit von echtem Volkswillen und parteigefälligem Willen der „Volksvertreter“ heraus. Zur bösen Überraschung schließlich nahm das Bundesverfassungsgericht, das für ein fehlendes Landesverfassungsgericht eintreten mußte, die Revisionsklage nicht an, weil das für die Schleswig-Holsteiner nicht vorgesehen war.

So wurde ohne Not zwangsweise gegen den Willen der Bevölkerung auch in Schleswig-Holstein die Reformschreibung in ihrer minderwertigsten Form in die Schulen gepreßt.

Als dann wenig später der neugewählte niedersächsische CDU-Ministerpräsident Wulff zurück zur alten Rechtschreibung wollte, kam das schärfste Nein aus dem Lande des Volksentscheids von der neuen CDU/SPD-Koalitionsregierung, die der unbekannte „Heide-Mörder“ zusammengebracht hatte.

Erschienen unter nachrichtenbrett.de 16.09.2009

Bardowick

Sigmar Salzburg

Kürzlich veranstaltete die Kieler Goethe-Gesellschaft eine Exkursion nach Winsen an der Luhe, dem Geburtsort des letzten Goethe-Begleiters Johann Peter Eckermann. Dabei hatte ich die Gelegenheit, einen Abstecher in den kleinen Ort Bardowick zu unternehmen. Bardowick war im 12. Jahrhundert eine bedeutende Stadt und besitzt daher einen kunsthistorisch bemerkenswerten Dom.

Fotos wikipedia

Das Taufbecken stammt aus dem Jahr 1367, der aus Eiche geschnitzte Flügelaltar ist von 1430. Handgeschnitztes Chorgestühl von 1487 ist noch vorhanden. Das Geläut besteht aus drei Glocken, zwischen 1200 und 1250 hergestellt, und einem Zweiergeläut, um 1325 von einem Meister Ulricus gefertigt.

Für mich ist der Dom von Bardowick auch deswegen von Interesse, weil in meiner Vorfahrenliste ein Anton Heshus aufgeführt ist, der um 1581 dort Kanonikus gewesen sein soll. Natürlich war nicht zu erwarten, daß noch irgendwelche Spuren auf ihn weisen würden. Dennoch fand ich in der Literatur ein Buch aus dem Jahr 1704, das sogar im Internet zugänglich ist:

Chronicon
oder
Beschreibung
der Stadt und des Stiffts
Bardewick/

Aus untrüglichen Archiven /alten und neuen
bewehrten Scribenten/ nebst andern glaubwürdi-
gen Uhrkunden / und eigener Erfahrung
zusammen getragen
Von
Christian Schlöpken
der Bardewickischen Stiffts-Schulen
Rectore
—————–
LUBECK
In Verlegung des Autoris,
Anno 1704

Geneigter Leser!
Wie das hohe Alter unsers Bardewicks/und dessen
ehemahls fürtrefflich blühender Zustand / bey
männiglichen jederzeit in sonderbarem Beruff ge-
wesen; so hat es auch an gelehrten Männern nicht
gefehlet / die es für eine beschreibens-würdige
Materie geschätzet. … Es ist aber kein Zweiffel/wenn diesen berühmten Män-
nern die bißhero in hiesigen und anderen Archiven und Bibliothe
cken verborgen gelegene Uhrkunden und Documenta zu Händen
gekommen wären/ daß sie/nach ihrer fürtrefflichen Geschickligkeit/
die Beschreibung unsers Bardewicks viel ansehnlicher und grösser
würden gemacht haben/an statt sie bey so gestalten Sachen gnug-
sam in ihren Schrifften zu erkennen geben müssen/daß es ihnen
an genauerer Nachricht gefehlet / insonderheit was die Historie
hiesigen Stiffts betrifft / von dessen Ursprung und Zustand / vor-
und nach der Verstörung / sie nicht mehr als einige wenige Nah-
men einiger Stiffts-Personen in Erfahrung bringen / und folglich
nichts ausführliches davon schreiben können.

(Bemerkenswert das seit 500 Jahren übliche „insonderheit“, das durch unsere 16 Kulturbanausenminister seit 1996 als „falsch“ diskriminiert wird.)

Ab Seite 355 wird die Einführung der Reformation in Bardowick beschrieben, die es einem der Canonici erleichterte, mein Vorfahr zu werden. Und auf Seite 429 fand ich ihn dann, allerdings verstarb (obiit) er schon 1577:

III.
Seniores Capituli Bardovicenses, die sich ausdrücklich also/
wie auch zum Theil Vice-Decanos genannt / weil sie in
absentia Decani dessen Stelle vertreten.

M. Arnoldus Bulle ob. 1548
Theodericus Düsterhop ob. 1575
Antonius Hesehusen ob. 1577

Zuerst veröffentlicht auf Nachrichtenbrett.de 20.11.2014

Musikpädagogik in Schleswig-Holstein 1932

Vor 83 Jahren, am 20. Juni 1932, wurde im Schloß Plön, in dem damals ein Internat untergebracht war, im Rahmen einer Schüler-Musizierwoche der „Plöner Musiktag“ von Paul Hindemith aufgeführt – eine den ganzen Tagesablauf begleitende Reihe von Stücken, die er eigens dafür komponiert hatte. Die Anregung dazu ergab sich aus einem Zusammentreffen mit dem Schulleiter Edgar Rabsch.

Paul Hindemith über die Uraufführung des
Plöner Musiktags am 20. Juni 1932

An drei schönen Tagen fand das Fest statt. Ich war mit einigen Schülern als Helfer von Berlin herübergekommen, und nach einem lauten und eindrucksvollen Empfang stürzten wir uns alle in die Arbeit. Aus allen Ecken des Schulgebäudes tönte Musik. Das Orchester probte im Garten, der Chor sang auf der Wiese, andere übten im Wald. Ich musste fortwährend Musik liefern, an der schon gelieferten ändern, wegnehmen und zufügen … Die Klasse der jüngsten Schüler war tief betrübt: Sie konnten noch nicht recht Noten lesen und waren demnach unverwendbar. Das einzige Instrument, das sie notdürftig spielen konnten, war die kleine Schulblockflöte in C. Es blieb also nichts anderes übrig, als sie damit zu beschäftigen und so schrieb ich ihnen im Eröffnungsmarsch der Kantate ein Trio, in welchem die ganze Klasse als Blockflötenchor unter Begleitung des übrigen Orchesters auftreten konnte. Ein kleiner Junge unter ihnen, der schon musikalische Kenntnisse hatte, wurde mit seiner Truppe in einen noch unbesetzten Teil des Geländes geschickt, um das Stück einzuüben, und nach einer Stunde kam die ganze Gesellschaft wieder und spielte ihre Partie auswendig. Auf diese Weise verbrachten wir übend zwei Tage, am dritten fand das Fest statt.

Frau Musica, in allen Landen wohl bekannt. Ja, ich sag das zu dieser Frist, daß mir vor diesem Fräulein fast nie keine besser gefallen, drum ist sie mir die Liebst von allen. (Martin Agricola 1528/1545)

Glücklicherweise wurde Hindemith mit seiner von den ausgetretenen Pfaden abweichenden Musik von den Nazis als „entartet“ verfemt, so daß er Deutschland bald darauf verlassen mußte. Wie es ihm ergangen wäre, wenn er wie Edgar Rabsch seinen Lebensunterhalt weiter im Lande hätte verdienen müssen, zeigt ein Brief Hindemiths vom 15. Juli 1946: „Ein anderer Unglückswurm, der Rabsch, haust mit sieben Kindern in Itzehoe, augenblicklich rausgeschmissen aus allem, da er notgedrungen irgendwann einmal in die Partei eintreten mußte, um seine Gören nicht verhungern zu lassen – und wenn einer von jeher kein Nazi war, so ists der!“

Nach einer kurzen Phase der Anerkennung Hindemiths nach 1945 tat dann aber doch das Verdikt seines penetranten Widersachers Adorno eine so verheerende Wirkung, daß auch kleine Zeitungsschreiber meinten, Hindemith als „pedantischen Langweiler“ abqualifizieren zu dürfen. „Damals schien es, als sei der Sargdeckel nun über dem Werk wie über der Person endgültig zugeschlagen“ (Finscher 1997, zitiert nach Susanne Schaal). Tatsächlich aber bleibt Hindemith einer der bedeutendsten Melodiker und Kontrapunktiker eigener Art – der es auch nicht nötig hatte, zur Zwölftonsekte überzuwechseln.

P.S. 25 Jahre nach der Plöner Uraufführung wiederholten wir, das heißt unser Musiklehrer Hermann Wagner mit Kollegen und ausgewählten Schülern, eine Musikwoche in ähnlicher Art in Schloß Nehmten und führten die erarbeiteten Stücke im Remter des Plöner Schlosses auf, natürlich auch Musik von Hindemith.

P.S.: Vor einiger Zeit fand in Zürich eine Premiere des „Mathis“ von Hindemith statt; Bericht in der Badischen Zeitung: „Lasst alles beim Alten und mich in Ruhe“.

Sigmar Salzburg

Wilhelm Lehmann Tage 2015 in Eckernförde

Kunst des Gedichts

Am 8. und 9. Mai 2015 fanden in Eckernförde die Wilhelm Lehmann Tage statt. Es hatten sich sogar noch ehemalige Schüler Lehmanns eingefunden. Da Lehmann heute wenig bekannt ist, zitiere ich aus der Schrift der Wihelm-Lehmann-Gesellschaft, „Merlinszeit“ (Wallstein Verlag 2010):

Uwe Pörksen

Wilhelm Lehmann braucht ein Haus in Eckernförde

Unter den überragenden Dichtern, die Schleswig Holstein im 19. und 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, ist ein Name wenig präsent. Friedrich Hebbel hat sein Haus in Wesselburen, Theodor Storm in Husum – an der Ostseeküste gegenüber ist eine Stelle unbesetzt. Ich meine natürlich Wilhelm Lehmann. Lehmann verdient ein Haus in Eckernförde, zumindest ein paar Räume im schönen Städtischen Museum, er hat alles Recht auf einen sichtbaren Platz im öffentlichen Raum. Dieser Sohn eines Lübeckers und einer Hamburgerin, der am 4. Mai 1882 in Puerto Cabello, Venezuela, geboren wurde und in Hamburg aufgewachsen ist, in Tübingen, Straßburg, Berlin und Kiel studierte, an verschiedenen Landerziehungsheimen unterrichtete, in den ersten Weltkrieg eingezogen wurde und sich ihm durch ›Fahnenflucht‹ entzog, hat dann fünfundvierzig Jahre in Eckernförde gelebt, von 1923 bis zu seinem Tod am 17. November 1968. In dieser Zeit entstand das dauerhafte poetische Werk. Es ist nicht weniger mit Eckernförde und seiner Umgebung verbunden als Storm mit Husum, die Brüder Mann mit Lübeck, Ernst Barlach mit Ratzeburg, Hebbel mit Dithmarschen. Das Gesetz der Literatur, das Werke von Weltgeltung auf lokalem Grund stehen, hat sich auch in seinem Fall bewahrheitet…

Auf die folgende Fülle der Hinweise auf Leben und Werk des Dichters kann hier nicht eingegangen werden.  Die Beiträge sind zumeist in der bewährten Rechtschreibung gehalten. Gegen Ende des Büchleins zitiert Klaus Johann aus  Wilhelm Lehmanns brieflicher Schilderung einer Ehrung:

… Zum Abschluß möchte ich noch einmal Lehmann zitieren, und zwar seine Schilderung der Feierlichkeiten aus Anlaß seines 75. Geburtstages am 4. und 6. Mai 1957 in Eckernförde bzw. Düsseldorf (bei einer Tagung der Deutschen Akademie für Dichtung und Sprache); darüber schreibt er am 23. Mai 1957 »bei so scheußlichem ›Frühlingswetter‹, daß es einen ganz elend macht« an Schwedhelm:

»Im übrigen verlief es von der kleinen, modellischen (gewissermaßen für Größeres) Feier der Stadt E[ckernförde]. hier bis zur größeren in D[üsseldorf]. höchst schicklich. (Reden des Bürgermeisters,« – das war damals Werner Schmidt – »der ›natürlich‹ mein Schüler gewesen ist, dazu einer, fortunately, mit dem ich durchaus keinen Krach gehabt, er aber mit anderen ›Paukern‹; des noch nicht lang amtierenden Kultusministers« – das war Edo Osterloh – »: Bauernsohn, gegen den Willen des Vaters Theologe, acht Kinder (!), lieh sich vorher vom Oberstudiendirektor« – gemeint ist Heinz Bruns – »einige meiner Schriften und zog sich zur Begründung des Verdienstkreuzumhängens mit einigen Passagen über ›Dienst an der Sprache‹, ›Elite der Hochgebildeten‹ nicht übel aus der Affäre « …

Zuerst eingetragen unter http://www.nachrichtenbrett.de 15.5.2015

Erwerb der Hamburgischen Staatsbürgerschaft 1847

von Sigmar Salzburg

Kürzlich hielt ich im Hamburgischen Staatsarchiv die Bürgerakte mit den Einbürgerungsprotokollen in Händen, durch die auch einer meiner Vorfahren Hamburger Bürger wurde.

Fol. 617

Praemissis praemittendis deponirte Comparent:

1) Name und Alter? Jens Jensen
2) Religion? luth.
3) Geburtsort? Hadersleben
4) Wie lange er in Hamburg und wo er wohne? 7 Jahre, Valentinskamp Hof 87
5) Bey welchem Lehr- und Brodtherren derselbe gewesen,
und womit er sich ernähret? die Tischlerprofession erlernet
6) Warum er seinen Geburtsort verlassen?
7) Ob und wie lange er verheyrathet, ob seine Frau noch am Leben,
und wie viele Kinder er habe, und von welchem Alter? oder nein
8) Ob er sich zu verheyrathen willens? ja
9) Auf welches Geschäft er Bürger zu werden willens? als Tischlermeister
10) Ob er im Stande sey, mit diesem seinem Geschäfte eine Familie zu ernähren? ja

a) Beistand Namens: Joach. Chr. Fried. Zach. Runge vigore Bürgerzettel de dato 7. July 1826
Bürger declarirt auf seinen geleisteten Eyd, daß seines Wissens obiger Comparent in allen Dingen die Wahrheit angegeben
habe, und daß er, Beistand, ihn hinlänglich kenne, um dies bezeugen zu können, und deponirt über ihn noch wie folgt:
er kenne ihn 2 Jahre

b) Sonstige Beweise

Comp prod
b) Taufschein geb. Hadersleben 9 April 1817
2) Militairfreischein aa Hadersleben d 27 Dec 1845
3) Entlassungsschein aa Hadersleben d 17 Juny 1847
4) Polizeischein
5) Attest vom H. Aeltermann des Tischleramtes
6) Bescheinigung vom Roll
[Impfarzt in Haderslev]

Resolutio: Zugelassen

Actum d. 23 Juny 1847

Zuerst eingetragen bei nachrichtenbrett.de 12.06.2013